Celebrating Books – 20 Jahre Sebastian Fitzek in der Waldbühne Berlin

In dieser Woche ist im US-amerikanischen Magazin »The Atlantic« ein bemerkenswerter Artikel erschienen: »The End of Reading is here«. Die Autorin Rose Horowitch beschäftigt sich mit der historisch-soziologischen Bedeutung des Lesens und der Tatsache, dass immer weniger Menschen den Sinn von längeren Texten erfassen können. Die ca. 20 % der Erwachsenen, die noch lesen und damit den Buchmarkt am Leben halten, seien inzwischen Teil einer Subkultur, so eine ihrer Thesen.

Also waren das alle Nerds, die 20.000 Leserinnen und Leser, die gestern Abend die Waldbühne in Berlin füllten, um 20 Jahre Sebastian Fitzek zu feiern? Sicher nicht! Geschätzt zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer – jede Altersstufe, – hatten sich auf den Weg in die Waldbühne gemacht. Viele gar nicht aus Berlin!
Natürlich ist da vor allem ein genialer Entertainer: Einer, der pünktlich beginnt, ein perfektes dramaturgisches Konzept für diesen Abend hat und mit einem eindrucksvollen Finale aufhört. Da könnte sich so manche zeitlich aus dem Ruder laufende Preisverleihung im Film- und Fernsehbereich eine Scheibe abschneiden.
Sebastian Fitzek bespielt das gesamte Areal der Waldbühne, geht auf Tuchfühlung mit seinen Fans und eilt die steilen Treppen hoch und runter. Unermüdlich, gut gelaunt und schlagfertig. Er lässt sich feiern und bedankt sich: Immer wieder betont er, dass er seinen Erfolg ausschließlich seinen Leserinnen und Lesern verdankt. Natürlich gibt es großartige Show-Acts, eine exzellente Lichtshow und viel Musik: Rea Garvey, Naturally 7 und Laith Al-Deen. Aber am Ende geht es immer um Bücher, um seine alten und natürlich um das neue, das in wenigen Wochen erscheinen wird. Eine geniale Marketing-Aktion, die er da inszeniert. Sebastian Fitzek liest seine Texte, die alten und diesen einen neuen, und keiner kann sich entziehen. 20.000 Menschen in der Waldbühne sind mucksmäuschenstill und hören einfach nur zu.

Genauso viele werden es auch heute Abend sein, die zweite Show ist ebenfalls ausverkauft. 40.000 kommen zu einem Event, dessen Motto »Celebrating books« lautet. Ist damit die amerikanische Autorin Rose Horowitch widerlegt? Natürlich nicht! Aber das Phänomen Sebastian Fitzek zeigt, wie viele Menschen man mit Büchern immer noch erreichen kann, wenn man es ein wenig anders macht als alle anderen. Ob es sich dabei dann um Literatur oder Unterhaltung handelt, ist vollkommen zweitrangig.

20 Jahre Sebastian Fitzek — Großes Fest in der Waldbühne Copyright Volkmar Otto