Bernd-Burgemeister-Preis 2026 Laudatio für den besten Fernsehfilm

Der Kompromiss als Feind – so der Titel eines hervorragenden Artikels, der vor ein paar Wochen in der ZEIT erschienen ist. Jens Jessen stellte die Frage, weshalb die große Kunst, sich in der Mitte zu treffen, keinen Glanz mehr hat? Nur wer sich durchsetzt ist ein Held, wer den Kompromiss sucht, ein Loser.
Was für ein Blödsinn! Denn, ich zitiere Jens Jessen: „Kompromisse sind nicht bequem, sie sind manchmal hart, immer anstrengend, im Letzten aber bewundernswert.“
Alle im Saal anwesenden Produzentinnen und Produzenten wissen, dass wir in unserem Beruf ständig Kompromisse finden müssen. Eine Balance zwischen künstlerischem Wollen und realen Bedingungen herzustellen, ist die Grundvoraussetzung unserer Arbeit. Die aktuellen Rahmenbedingungen haben es in sich: Die Kosten steigen, die Budgets, die wir zur Verfügung haben, nicht. Im Gegenteil, mit steigenden Lohn- und Energiekosten sind sie niedriger als vor einigen Jahren. Trotzdem lassen wir uns gelegentlich in der Akquise zu Versprechungen nötigen, die wir gar nicht halten können.
Und weil die Entscheidungen des Publikums für oder gegen ein Programm nicht wirklich durchschaubar sind, wächst die Angst, dass wir unsere Zuschauer nicht mehr erreichen. Diese Angst lähmt uns und sie lähmt die Auftraggeber.
Was tun? Da habe ich leider nur eine Binsenweisheit: Geschichten entwickeln, die uns wirklich interessieren. Nur dann können wir sie auch für andere interessant erzählen.
Doris Zander, die wir heute für ihre Produktion „Eine Nacht in Bangkok“ auszeichnen, wollte etwas über die Traumata von Trennungskindern erzählen, ohne einen Themenfilm oder einen Krimi daraus zu machen. Eine Komödie sollte es sein – also hohes Risiko. Denn mit kaum etwas kann man so scheitern, wie mit dem Versuch, witzig zu sein.
Sie konnte den preisgekrönten Autor Sathyan Ramesh gewinnen, der aus dieser Idee ein urkomisches Drehbuch mit melancholischen Untertönen gemacht hat. Geschrieben für Désirée Nosbusch und Matthias Brandt. Was für ein Cast! Was für einen Spaß müssen alle Beteiligten bei diesen Dialogen gehabt haben, was für ein Glück mit dem exzellenten Regisseur Rainer Kaufmann, der in seiner Inszenierung weder die Emotionen noch die Komik gefürchtet hat. Und alles wäre nicht möglich gewesen, hätte die Produzentin mit diesem Angebot nicht Christian Granderath vom NDR überzeugt. Wie sie das mit dem Titel hinbekommen hat, muss sie uns unbedingt verraten! Denn in Bangkok spielt der Film definitiv nicht.
In nicht besonders vielen Drehtagen (solche Zahlen sind vertraulich, das müssen wir doch immer unterschreiben) wurde die Reiseproduktion „Eine Nacht in Bangkok“ ohne Förderung – vermutlich für ein sogenanntes „normales Budget“ – in Rostock gedreht. Welche Kompromisse Doris Zander und ihr gesamtes Team da machen mussten, können wir nur ahnen. Unsere Bewunderung dafür hat sie allemal.
Der Bernd-Burgemeister-Preis 2026 für den besten Fernsehfilm geht an Doris Zander von der Bavaria Fiction. Herzlichen Glückwunsch!