Sind Regionalkrimis Trash?

Vor einigen Wochen hatte ich ein bemerkenswertes Gespräch mit einer Buchhändlerin in einer der vielen Filialen von Hugendubel in Berlin. Immer bemüht, meinen Roman RÜBENTOD unter die Leser und Leserinnen zu bringen, hatte ich mich als Autorin zu erkennen gegeben. Auf ihre Frage, was ich denn so schreibe, konnte ich das Wort „Regionalkri…“ noch nicht einmal bis zu Ende bringen. „So was lese ich nicht!“, sagte die Buchhändlerin mit dem Ausdruck tiefster Verachtung. Wohlgemerkt, ich hatte nicht „Pornos“ gesagt.

Wenn sie „so was“ nicht liest, kann sie gar nicht wissen, dass Regionalkrimis in der Regel nicht nur gut erfundene Geschichten sind, sondern häufig so viele Details über die jeweilige Region enthalten, dass man Anregungen aller Art erhält: Hinweise auf idyllische Badestellen oder nicht überlaufene Sehenswürdigkeiten, Restaurant- und Hoteltipps, ungewöhnliche Wander- und Radtouren. Und Informationen zu Geschichte, Lokalpolitik und Wetter. Alles unterhaltsam in einem spannenden Plot verpackt.

Als ehemalige Produzentin der ZDF-Vorabendserie SOKO Wismar erinnert mich diese Art der Ablehnung an den Umgang der Fernseh- und Kulturkritik mit den sogenannten Vorabend-Formaten wie beispielsweise den WAPOs in der ARD und den SOKOs im ZDF. Obwohl sie an jedem Wochentag zwischen 3 und 4 Millionen Menschen erreichen, finden diese Serien nie auch nur eine Erwähnung im Feuilleton oder bei TV-Preisen. Dabei machen sie Städte und Regionen populär und sind (meistens) gut erzählte Krimiplots, in die aktuelle Themen Eingang finden. Dazu sind sie die Startrampe für junge Regisseur*innen und Autor*innen. Außerdem bieten sie vielen Schauspieler*innen, die es (noch) nicht in die erste Reihe geschafft haben, eine solide Beschäftigung.

Also liebe Buchhändler*innen, vielleicht einmal die eigenen Positionen überdenken: Regionalkrimis sind auch Bücher und bringen Umsatz. Und meistens sind sie besser, als Sie denken!